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  • Stephan Fischer

Meine 3-Sekunden-Regel

-Meine 3-Sekunden-Regel-


Oder auch: geben wir zu häufig Hilfen?


Was ist denn eigentlich eine Hilfe? Eine Hilfe soll das Pferd unterstützen, z.B. eine bestimmte Bewegung zu verbessern, sich zu balancieren oder oder oder… Sie soll aber vor allem dem Pferd HELFEN etwas selbständig zu tun.


Wir machen das an einem konkreten Beispiel fest:

Ich arbeite mit einem etwas steifen Pferd am Kappzaum an den ersten Schritten an einer besseren Balance und Biegung. Dabei fällt das Pferd immer wieder auf die innere Schulter und drückt etwas nach innen. Ich helfe dem Pferd immer wieder durch kleine Gesten, wie zum Beispiel dem anlegen der Finger an die Schulter, um Ihm zu zeigen, dass er auch sein äusseres Vorderbein mitbelasten kann.


Meist haben wir dann die Erwartung, dass das Pferd die neue von uns gewollte Balance die ganze Zeit über halten kann. Aber genau das ist dem Pferd natürlich am Anfang nicht möglich. Das Pferd wird schnell wieder nach innen fallen, weil das einfach seinem natürlichen Koordinationsvermögen entspricht. Dabei soll es doch nicht nach innen fallen!


Da kommt die 3-Sekunden-Regel ins Spiel.


Mein innerer Impuls sagt mir, dass ich das Pferd beim reinfallen SOFORT korrigieren möchte, weil es ja die gewollte Haltung verlässt. Und da liegt der Punkt.


Eine Hilfe ist ein Mittel zur Kommunikation. Ich frage das Pferd, ob es in diesem Fall die innere Schulter etwas entlastet. Wenn das Pferd kurz meiner Bitte nachkommt und dann wieder nach innen fällt, zähle ich innerlich bis 3 und korrigiere erst dann das Pferd wieder nach aussen.


Warum?

Weil ich dem Pferd eine Chance geben möchte, zu antworten. Es muss über die Hilfe und Situation nachdenken dürfen, mitdenken wollen. Ich möchte eine Kommunikation, keinen einseitigen Befehl. (Zumindest in dieser konkreten Situation nicht). Es ist für das Pferd viel leichter, meiner erneuten Hilfe zu folgen, wenn ich es für diese 3 Sekunden sich selbst überlasse. Es kann in seine Komforthaltung zurück, bleibt länger aufnahmefähig und motivierter. Und ich gebe meine Hilfen selbst ruhiger und gezielter.

So artet die Hilfe nicht in ein Kräftemessen aus und das Pferd kann meiner Bitte leichter nachkommen.


Probiert selber aus, was passiert, wenn Ihr entgegen eurem automatischen Impuls einfach mal 3 Sekunden mit der nächsten Hilfe wartet. Egal in welcher Situation.

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Denn 3 Sekunden können verdammt lang sein ;-)


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